Donnerstag, 11. August 2016

Von Teddybabys und Pandabären...


Tierbabys lösen in uns immer wieder einen Schlüsselreiz aus. Viele Tierarten zeigen sich in den ersten Lebenswochen mit sehr kindlichen Proportionen…große Augen, etwas hilflos wirkend, ihr Kleid oft etwas gerupft. Diese als Kindchenschema bezeichneten äußeren Merkmale wecken in uns ein Fürsorgeverhalten, das die Pflege und Aufzucht der Jungen besonders im Tierreich sicherstellen soll. Konrad Lorenz prägte 1943 den Begriff des Kindchenschemas als Bezeichnung des Kindergesichts. Neben großen Augen und einem runden Gesicht prägt besonders der kindliche Kopf dieses Bild…denn er zeigt sich im proportionalen Vergleich zum Körper auffällig größer als es bei Erwachsenen der Fall ist. Die Gliedmaßen…Arme, Beine und Finger sind kürzer, was im Gesamteindruck sowohl bei uns Menschen als auch im Tierreich von Vorteil ist, denn es sind Merkmale der Schwäche und Hilfsbedürftigkeit und animiert die Eltern zu Schutz- und Pflegeverhalten. Auch in der Spielzeugindustrie hat sich das Kindchenschema im Laufe der Jahrzehnte durchgesetzt. Waren die ersten Bären der Firma Steiff doch eher Plump mit langen Gliedmaßen, so hat sich der Bär vom Sammelobjekt zum Babybären mehr und mehr dem Kindchenschema angenähert. Seit 1930, als das erste Teddybaby von Steiff auf den Markt kam, haben nun auch Bären eine Kinderstube. Die ersten Bärenjahre zeigten sich die beliebten Plüschgesellen mit recht steifem Kreuz, zwar mit treuem Blick aber im Gegensatz zu den Puppen, die ein deutliches Abbild eines Menschenkindes zeigten, wollte der Bär noch nicht so recht ins Kindchenschema passen.

Als Steiff sein erstes Teddybaby herausbrachte, war es der große Durchbruch...der Teddybär wurde mit dem Teddybaby kindlicher...es hatte einen offenen Mund, die Pfötchen waren leicht gebogen und seine Proportionen insgesamt rundlicher. Eine neue Generation Teddy wuchs heran…und auch in der Needful Friends Werkstatt entstanden schon vor vielen Jahren die ersten Entwürfe der beliebten Teddybabys. Nun gibt es ein ganz besonderes Baby, denn Pandabären haben es uns aufgrund ihres Aussehens und ihres friedlichen Wesens ganz besonders angetan. Hau Mei ist ein anmutiges Bärenkind, das in aufwändiger Arbeit entstanden ist. Ihr Gesicht weist die typischen Zeichnungen eines Panda Jungbären auf. Neugeborene sind nackt und blind und etwa so groß wie ein Hamster, erst nach etwa 30 Tagen verfügen die Bärenkinder über die typische Fellzeichnung, die eine deutliche Rosafärbung im Nasenbereich und eine wie ummalt wirkende Mundpartie. Diese verschwindet dann nach einigen Monaten, wenn die Bären nicht mehr gesäugt werden und feste Nahrung erhalten. Hua Mei ist nach einer Pandabärin benannt, die nach künstlicher Befruchtung in den USA geboren wurde. Im Jahre 2004 zog die Bärin nach China um und brachte dort selber Nachwuchs zur Welt. Hau Mei ist 24 groß, an ihrem Ärmchen trägt sie ein Geburtsband mit ihrem Namen und Geburtsdatum. Das Bärenkind wird mit Vliesdecke, Spielball und Geschenkkarton geliefert. 



Dienstag, 2. August 2016

HERZBUBE...ein Kirmesbär


Seit seiner Existenz fristet der Kirmesbär ein Schattendasein. Kriegsjahre zwangen schon die großen Firmen zu Sparmaßnahmen in der Spielwarenproduktion. Bären veränderten ihre Statur von groß und feingliedrig zu kleineren eher plumpen Exemplaren. Es fehlte an Stoffen und man war gezwungen nicht nur auf Ersatzmaterial auszuweichen, sondern musste auch die Grundschnitte der Bären überdenken. Kirmesbären entstanden dagegen schon immer aus einem knapp kalkulierten Budget, sie durften in der Produktion nicht viel kosten, wollte man doch auf Rummelplätzen den Umsatz möglichst stabil halten. So musste sich der Kirmesbär mit seinem Ruf als Bär zweiter Klasse abfinden…hatte er doch zu seinem Kunstplüsch auch oft nur eingeschränkte Beweglichkeit zu bieten. Viele Kirmesbären wurden aufgrund von Sparmaßnahmen nicht voll gegliedert angeboten, oft wurden Kopf und Rumpf aus einem durchgehenden Stoffteil gearbeitet, was zur Folge hatte, dass der Kopf nicht beweglich war. Er hatte keine hochwertigen Glas- sondern Kunststoffaugen und die Kombination aus Kunstplüsch und der immer noch kostengünstigsten Holzwollestopfung machten aus ihm einen sehr steifen Spielgefährten. Auch konnte sein Plüsch aufgrund der Minderwertigkeit nur schwer sauber gehalten werden und so lag der Kirmesbär nicht selten unbeachtet in den Ecken der Kinderzimmer, nachdem die erste große Freude über den Rummelplatzgewinn erloschen war.

Baby, ich schiess dir einen Teddybär heisst ein Schlager von Francesco Barini aus den 50èr Jahren, der den älteren Lesern vielleicht noch bekannt ist. Kirmesbären an Schiessbuden zu gewinnen war immer schon ein beliebtes Mittel, um die holde Weiblichkeit zu beschenken. Schiessen und Pfeil- und Blechdosenwerfen erfordert Genauigkeit, Konzentration und Selbstbeherrschung, Eigenschaften mit denen Mann seine Angebetete auch beeindrucken kann. So funktionierte der Kirmesbär auch als Liebesgabe und schlich sich jedenfalls kurzfristig in die Herzen der Damenwelt. Heute findet man Kirmesbären vereinzelt auf Flohmärkten, nassberegnet zwischen Geschirr und ausgedienten Kinderschuhen oder Auktionshäusern, wo sie geduldig auf ein Zuhause und ein würdevolles Dasein hoffen. Manche Bären warten lange, können sie doch mit den Attributen ihrer Artgenossen aus gutem Haus nur schwer konkurrieren. Nach Liebe suchen auch die Kirmesbären und so haben wir uns diesem Schattenbären angenommen und zeigen ihn einmal ganz neu mit einem Lächeln statt düsterer Miene, denn auch die Gesichtsgarnierung wurde aus Kostengründen ohne viel Fürsorge erledigt. Auch wenn er wie alle Needful Friends 5-fach gegliedert ist, die Körperproportionen seiner Vorgänger sind geblieben. Unser Herzbube trägt sein großes Köpfchen mit Würde, in seine Nasengarnierung wurde wie immer viel Sorgfalt investiert und der Bär steht tapfer auf seinen kleinen Beinen, geduldig auf seine Herzdame wartend…denn das Attribut Geduld teilt er mit seinen Artgenossen, auch wenn die Herzdame sicher nicht lange auf sich warten lässt…