Samstag, 5. September 2015

Der alte Chinesische Hochzeitsschrank…eine Bildergeschichte.....


…es war einmal ein alter chinesischer Hochzeitsschrank. Er war nach langer Reise über Umwege in die Familie gekommen. Viele Jahre stand er im Büro, diente als Stauraum. Nach einem Umzug bekam er ein neues Kleid, wurde in einem wunderschönen anthrazit neu lackiert. Er bekam einen ganz besonderen Platz im Wohnzimmer seiner Besitzerin. Ein Fernseher fand in ihm Platz und er war der Mittelpunkt im Raum. Besucher lobten ihn oft und stellten fest, was er doch für ein wunderschöner, besonderer Schrank sei. Der Schrank war sehr stolz. Im Laufe der Jahre wurde der Sohn des Hauses älter und wuchs ziemlich in die Höhe. Modell und Größe des Fernsehers wechselten von Zeit zu Zeit aber die Größe war eben doch immer etwas eingeschränkt. Es sollte nun ein neuer deutlich größerer Fernseher kommen, der im alten Schrank keinen Platz fand. Der Schrank war etwas bekümmert und fragte sich, was denn nun wohl mit ihm geschehen würde, denn auch die Besitzerin fand, es sei Zeit für eine Veränderung. Nachdem darüber ausgiebig gesprochen wurde, kam eines Tages ein wirklich großer Fernseher ins Haus. 

Der Schrank wurde von der Wand gerückt, ausgeräumt und bekam seine Türen abmontiert. Der neue Fernseher fand direkt an die Wand montiert seinen Platz. Das alles und die ungewisse Zukunft vor Augen machte dem alten Schrank schon etwas Angst. Er wurde in die Garage getragen und verbrachte dort ein paar Tage. Sie wird mich schon nicht vergessen, dachte der alte Schrank und hörte immer sehr aufmerksam zu, wenn er die Stimme seiner Besitzerin wahr nahm. Aber es geschah erst einmal nichts. Nach einigen Tagen kam sie dann zu ihm mit Topf und Pinsel in der Hand. Der Schrank wurde mit einem stinkenden, klebrigen Gel eingeschmiert, danach wurde er allein gelassen. Seine Farbe schälte sich unangenehm wie Haut nach einem Sonnenbrand. Er stank furchtbar. Dann wurde er plötzlich mit einem Spachtel bearbeitet. Wieder und wieder schabten sie an ihm herum und die scharfe Kante des Spachtels grub sich schmerzhaft in sein altes Holz.


Warum nur machen sie das mit mir, dachte der alte Schrank. Seine Besitzerin sah dabei auch nicht sehr zufrieden aus. Die Farbe löste sich nur sehr schwer, seine Holzfasern stellten sich hoch und liessen ihn ziemlich hässlich aussehen. Er war doch in seinem anthrazit ein wunderschöner Blickfang gewesen. Er verstand die Welt nicht mehr. Skeptische Blicke ruhten auf ihm, dann wurde die Garagentür geschlossen und er stand zwei Tage und zwei Nächte allein im Dunkeln. Der Schrank und auch seine Besitzerin waren sehr unglücklich. Tage vergingen und der Schrank stand immer noch allein in der dunklen Garage. Dann öffnete sich die Tür und seine Besitzerin brachte ein dreieckiges elektrisches Gerät, es hatte eine raue Fläche und machte ziemlich viel Lärm. Der Schrank bekam nun eine ordentliche Massage. Es war sehr laut und staubte furchtbar, seine Besitzerin sah aus, als sei sie durch einen Schornstein gefallen, aber die Farbe ging nun viel besser ab und auch die rauen kaputten Stellen, die durch das spachteln entstanden waren, wurden schön geglättet. Vielleicht bin ich ja doch noch nicht verloren, dachte der alte Schrank.

Am nächsten Tag wurde er gründlich gesäubert und wieder ins Haus in den 1. Stock getragen. Oben angekommen bekam er einen neuen Innenanstrich in anthrazit, ganz wie er zuvor von aussen ausgesehen hatte. Jetzt fühlte er sich schon viel wohler. Nachdem die Farbe getrocknet war, kam der erste Aussenanstrich in weiß. Das ist fast wie Yin und Yang, dachte der alte Schrank. Schwarz ist in China die Farbe des Elements Wasser und ein Symbol für Ehre und hohe Würden und anthrazit ist ja beinahe wie schwarz, redete sich der Schrank ein. Mit dem weiß hatte er allerdings seine Probleme, denn im Land des Lächelns ist weiß ein Symbol der Trauer und der Geister und weiße Kleidung ist auch im modernen China ausschließlich dem Besuch von Trauerzeremonien vorbehalten. Aber weiß ist auch die Farbe des Westens und steht für Helligkeit, Reinheit und Erfüllung, hatte der alte Schrank gehört. Das beruhigte ihn etwas und so schlief er mit dem Gedanken an einen frischen, neuen Morgen erschöpft von den Strapazen der letzten Tage ein.


Zwei Tage musste die Farbe trocknen, dann sollte ein zweiter Anstrich folgen. Aber die Farbe wollte nicht so recht decken. Der alte Schrank war sehr skeptisch und auch seine Besitzerin sah nicht zufrieden aus. Mittlerweile wurde schon seit zwei Wochen an ihm gearbeitet und das Ergebnis war unterdurchschnittlich zufriedenstellend. Neue Probleme tauchten auf, durch die Feuchtigkeit der Farbe hatten sich die Holzfasern wieder aufgestellt und sein Holz fühlte sich rau und gar nicht schön an. Der alte Schrank machte sich große Sorgen. Er bekam eine weitere Behandlung mit Sandpapier und einen zweiten Anstrich. Wieder trocknete er zwei Tage, dieses Mal blieb seine Haut glatt aber die Farbe wollte nicht so recht decken. Im fernen Osten werden Hochzeitsschränke über Jahre mit Seide und Leinentüchern gefüllt, um sie später dem Bräutigam prall gefüllt als Aussteuer zur Hochzeit zu präsentieren. Oft werden sie von Generation zu Generation weiter vererbt und bekommen zu diesem Anlass auch einen neuen Anstrich. So war es auch bei dem alten Schrank gewesen. Ältere Farbreste konnten im Rahmen der Schleifmassage nicht vollständig entfernt werden und schimmerten nun durch das weiß hindurch. Der alte Schrank war nun wirklich sehr unglücklich.

Nie wieder werde ich bewundert werden, dachte der alte Schrank. Aber seine Besitzerin wollte ihn nicht aufgeben. Ein weiterer Farbtopf wurde gekauft. Der alte Schrank bekam noch eine Behandlung mit Sandpapier und noch eine und einen dritten und einen vierten Anstrich, ganz dünn mit einer Farbrolle aus weichem Schaumstoff. Drei Tage musste er wieder trocknen und dann bekam er endlich seine Messingbeschläge wieder montiert. Das war nicht ganz einfach, denn auch das alte Metall war im Laufe der Jahre an den Endstiften porös geworden, die Spitzen brachen beim Festziehen ab und mussten von innen mit Isolierband verklebt und überstrichen werden. Und dann endlich bekam er seinen Platz im Schlafzimmer, hell und sonnig war es dort. Der alte Schrank strahlte. Jetzt verstand er, was gemeint war mit der Helligkeit, Reinheit und Erfüllung. Er wurde gefüllt mit Wäsche und Kleidung und er konnte noch ganz leicht Parfum auf den Kleidern seiner Besitzerin wahrnehmen. Die Sonne war Balsam für seine Seele und er fühlte sich seit langer Zeit wieder so richtig wohl. Der alte Schrank atmete auf und dachte: Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut wird, ist es nicht das Ende…

Kommentare:

Angelikas quilts and knits hat gesagt…

Hallo Anja,
ich habe beim lesen die Luft angehalten, so gespannt war ich auf den Ausgang der Geschichte. Der Schrank ist so klasse ! Es wäre mehr als schade gewesen, wenn Du ihn aufgegeben hättest.

Liebe Grüße
Angelika

Needful Friends hat gesagt…

Danke schön Angelika ;O)

aufgeben war nie eine Option, auch wenn mich die Restauration viel Geduld gekostet hat.
Musste das daher auch irgendwie schriftlich festhalten, da ich mit dem alten Schrank auch
sehr mitgelitten habe ;O)

LG & knus Anja