Donnerstag, 5. Januar 2012

Ämter, Amigos und Affären...


...wussten Sie, verehrte Leserinnen und Leser, dass Niedersachsen ein Schweine – Land ist?
Ganz im Ernst: - von Vechta bis Varel, von Göttingen bis Gorleben, überall dort spielen wir im ländlichen Zusammensein mit unserem Mitbewerber Homo Sapiens Sapiens eine entscheidende Rolle. Ich muss zugeben, leider nicht immer eine, die wir Schweine auch mögen…In und um Hannover ist das nicht ganz so ausgeprägt, ist ja auch logisch: dort wird ja die Politik gemacht. Daran werden wir Schweine selten beteiligt und eigentlich möchte meines gleichen sich die Hufe damit auch gar nicht schmutzig machen. Dennoch: es kann und darf mir nicht egal sein, wie ein Schweine – Land wie Niedersachsen so dasteht. Im Augenblick gibt es ja viel Gegrunze, nicht zuletzt wegen einem unserer Landeskinder, Herrn Wulff.

In Bayern sagt man, wenn man seinen Unmut mundartlich ausdrücken möchte, „…mei, Herrschaftszeiten san´s!“ Da steckt viel Wahrheit ´drin, denn die Herrschaft hat sich wohl zu allen Zeiten Privilegien herausgenommen, sich über dem Recht stehend empfunden und nicht selten mit Berufung auf christliche Werte Wasser gepredigt und selbst Wein getrunken. Ob man nun von hochwohlgeborener Herkunft sein Handeln ableitet, oder ob man aus dem Volk gewählter Vertreter ist, was ich dann noch viel schlimmer finde. In Bayern ist man darin ja bereits erfahren. Die Franz-Josef-Strauß – Dynastie und die spätere Amigo – Affäre haben wir nicht vergessen. Aber dass es so etwas auch auf dem platten niedersächsischen Land und seinen hochdeutschredenden Politikern mit bisher blitzsauberer Weste gibt, hatte ich bisher nicht auf dem Schirm.

Wissen Sie, ´mal ganz ehrlich, vor ein paar Jahren stand ich auch vor der Frage, ob ich Kredite bei der Schweinfurter Bank aufnehmen sollte, um unseren Stall zu renovieren. Seit den Tagen des Ersten Weltkrieges hatte mein Großvater Saulus von Pig zu Porcus wenig in unsere Latifundien investiert. Auch sein Sohn, Schweinfried – Wilhelm, hatte zunächst mehr Interesse an rosa Keulen und dem Dolce Vita, als am Stall-Bauen. Kurz: auch ich stand vor der Frage, Geldmittel zu schweineteuren Zinsen aufzunehmen, oder vielleicht bei meinem Freund Saubert, der recht vermögend in Wildesauhausen lebt, Geld in aller Freundschaft zu leihen. Sagt man nicht bei Geld höre die Freundschaft auf? Naja, für unseren Herrn Wulff scheint das nicht zu gelten. Genauso verbringe ich meine Urlaube nur auf den Sauchellen oder in Saustralien, wenn es unsere Urlaubskasse zulässt und nicht, wenn mich ein befreundeter Saubärmann dazu einlädt. Das geht einfach nicht, wenn man ein hohes Amt in öffentlichen Ställen innehat.

Anders ist die Lage ja bei unserem Ex -Sonnenschein Karl Theodor zu Guttenberg. Der hat in seinem Stall ja nie Mangel gelitten und war damit gegenüber den Anbiederungen „väterlicher Freunde“ nie empfänglich. Der kommt aus gutem Stall, konnte sich alles kaufen (lassen) und reagiert nun wie ein trotziges Ferkel, weil keiner in der Schlammkuhle mehr mit ihm spielen will. Ja, auch so ein Comeback will wohl überlegt sein. Da nützt es nichts mit mehr Gelatine im Haar und weniger Brille auf der Nase und mit einer ganz still gehaltenen Stefanie daher zu kommen. Jetzt hat ihn halt die Schlammkuhle „Europa“ aufgenommen. Eigentlich heißt es ja in der Politik „hast du einen Opa, schick ihn nach Europa!“. Aber dafür ist unser Ex – Kronprinz ja noch ein bisschen jung.

Geneigte Leserschaft, es gäbe noch genug, über das man trefflich diskutieren könnte in diesem Zusammenhang. Ich möchte nicht falsch verstanden werden:-wir brauchen keine Heiligen (mehr) in der Politik, sondern Menschen und Schweine wie dich und mich. Längst sind die Affären und Affärchen um unsere politische Elite in der Presse besser auszuschlachten als ihre etwaigen politischen Visionen oder strategisches, entschlossenes Denken und Handeln für unser Land oder gar eine bessere Welt. Trotzdem gibt es so etwas wie Anstand, Ehre, und Gewissen. Unser Problem ist aber, dass Menschen und/oder Schweine, die sich zu diesen Werten bekennen, selten in politische Ämter streben. Ich weiß nicht, wie es ihnen geht, aber für mich ist der Begriff „Berufspolitiker“ zunehmend negativ belegt. Wer sich sein Leben lang im medial bewachten und äußerst gefährlichen Haifischbecken der Politik um sein persönliches Fortkommen mit möglichst blütenweißer Weste bemühen muss, läuft schnell Gefahr, sich von Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, und Pflichterfüllung für die Sache zu entfernen.

Ich wünsche Ihnen für das Jahr 2012 nur das Beste und dass Sie mit weniger Affären um Ämter und Amigos belästigt werden mögen. Mit vorzüglicher Hochachtung bin ich Ihr Eberhard von Porcus ... der für die Renovierung seines Schweinestalles, den Kauf eines neuen schadstoffarmen Gülleabflusses und neuer C02 – ausstoßfreier, Infrarot-Wärmelampen einen stinknormalen Bankkredit mit stallüblichen Konditionen aufnehmen musste!

Kommentare:

Edda hat gesagt…

Sehr geehrter Eberhard von Porcus,
..ich kann Ihnen nur voll und ganz zustimmen, und was das Schweineland Niedersachsen anbelangt: halten sie sich fern! Bleiben Sie so weit weg davon wie möglich, denn für echte Schweine ist es hier überhaupt nicht lustig!
Viele liebe Grüße
Gabi

Angelikas quilts and knits hat gesagt…

sehr treffend und excellent formuliert - wie immer !
knus
Angelika