Dienstag, 20. September 2011

O´zapft is...


...das Oktoberfest in München ist eines der größten Volksfeste der Welt...seit 1810 heisst es jedes Jahr auf der Theresienwiese...O´zapft is...klingt eher chinesisch, ist aber der Inbegriff bayrischer Pseudo-Gemütlichkeit. Etwa 6 Millionen Menschen besuchen jährlich die Wies`n auf der ein spezielles Bier...Wies`n Märzen...mit mehr Stammwürze und einem Alkoholgehalt von 6-7% ausgeschenkt wird...



War es zu Anfang ein nobles Prinzenpaar, das dieses Fest aus der Taufe hob, so ist es heute ein weltweit bekanntes Spectaculum geworden. So gesehen ist es gar nicht verwunderlich, dass das Anzapfen in bayrischer Mundart nach einer fernöstlichen Sprache klingt, denn mittlerweile fühlen sich die Touristen aus Fernost stilgerecht mit Lederhos`n und Gamsbarthut in den Bierzelten auf der Wies`n genau so wohl wie in ihren heimatlichen Tempeln und Gefilden.



...Alles begann vor 200 Jahren mit einer eigentlich recht unbedeutenden Hochzeit zwischen einem Bayern und einer Sächsin...aus der Vermählung mit Volksbelustigung und Pferderennen hat sich ein farbenfrohes Fest entwickelt, das traditionsgemäß von Ende September bis zum ersten Oktoberwochenende abgehalten wird. Schon 1878 entschieden die Stadtväter, das Fest in den noch etwas wärmeren Altweibersommer vorzuverlegen. Der Faßanstich ist Tradition und die erste Maß Bier gezapft vom Münchener Stadtoberhaupt gehört dem Ministerpräsidenten. Bis heute ist das Oktoberfest für viele der Inbegriff guten Brauchtums und gelebter Tradition und in Bayern gibt es keine Frau, die in einem schmucken Dirndl nicht weiblicher wirkt als im Original, egal wie viel Holz sie vor der Hütt´n hat...



...es gab Zeiten, da saßen die Menschen noch gesittet auf Bänken und prosteten sich zu...heute ist die Masse kaum zu bremsen...zum alljährlich gewählten Wies`n Hit tanzt man auf den Tischen bis zum Umfallen...kein Wunder, dass die Münchener Schickeria in den Promilogen lieber unter sich bleibt...man will natürlich gesehen werden und trifft sich beim Käfer oder im Hippodrom und wer etwas auf sich hält schlürft statt Bier lieber Champagner aus kleinen Steinkrügen. Ob unten im Festzelt, auf den Tischen oder in den Promilogen...zum Oktoberfest putzt man sich heraus...die Wies`n Tracht unterstreicht einfach das Zusammengehörigkeitsgefühl...seit dem großen Aufschwung der Trachtenmode vor etwa 20 Jahren gibt es keinen Wies`n Besucher ohne Lederhos`n und kein Mädel ohne Dirndl...dabei ist es von großer Bedeutung, auf welcher Seite sie die Schleife bindet, denn auf der Wies`n lässt es sich natürlich auch herrlich "anbandeln"...trägt sie die Schleife links, ist sie noch frei...trägt sie sie rechts, ist sie in festen Händen.



...unser Wies`n Sepp trägt eine Trachtenhose ganz nach Tradition und ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift Herzilein um den Hals. Der Bär ist 14 cm groß, noch zu haben und wartet im SHOP auf ein neues Heim...



Dienstag, 13. September 2011

...zehn Jahre danach...


Wissen Sie, verehrter Leser und verehrte Leserin, wir Schweine haben ja eine lange Tradition im Kopfschütteln entwickelt wenn wir auf die Evolution unseres globalen Mitbewerbers, des Homo Sapiens Sapiens, oder kurz: des „gemeinen Mitmenschens“ blicken. Kaum etwas, was er sich nicht gegenseitig schon angetan hat nachdem er seine Borsten, pardon:- sein Fell, abgeworfen hat, von den Bäumen in die Savanne stieg und sich von den wesentlich gelasseneren Verwandten, den Affen abgezweigt hat. So ist auch „NineEleven“, wie die wohlgenährten US.-Fastfood-Vettern jenseits des großen Teichs sagen, ein gutes, besser schlechtes, Beispiel dafür.

Ich erinnere mich noch wie gestern als damals vor fast genau 10 Jahren die unglaublichen Fernsehbilder der zusammenstürzenden Twin-Towers live in die Wohnungen und Ställe übertragen wurde. Fassungslos und stumm saßen wir im Stroh vor dem Bildschirm unter dem Schein der Ferkelwärmelampe und konnten, ja wollten es fast nicht verstehen. Mein Cousin dritten Grades aus der Hugenottenstammlinie unserer Familie, Heinz-Ebäähr de Koschon-Krass weilte damals mit seiner Gemahlin Rosa von Saunheim und den drei gemeinsamen Ferkeln bei uns zu Gast im Stall. Schnell waren wir uns einig, dass sich nun Vieles auf der Welt verändern würde, wenn man das Mutterland von Rib-Eye und Hot-Dogs so attackiert. Es würde zu einer Art Wildschweinhatz nach den Tätern führen und die würde Dimensionen annehmen, die wir uns kaum vorzustellen wagten. Es hat uns dann ja auch ein Jahrzehnt der Kriege und des Hasses danach eingebracht. Sinnlose Rachefeldzüge, Billionen an Steuergeldern und unsägliches Elend für die darin umgekommenen, armen Schweine und ihre Familien, sei es als unbeteilgtes Opfer, sei es als vermeintlicher Täter oder einfach nur als Soldat in der Pflicht.

Wir Schweine haben uns schon oft gefragt, warum so viel Hass unter den Menschen herrscht. Sie haben doch alle Ressourcen unserer gemeinsamen Mutter Erde sich allein untertan gemacht. Sehen sich als Krone der Schöpfung und Gottes Eberbild, pardon Ebenbild, und dennoch trachten sie sich voller Eifer gegenseitig nach dem Leben. Und begründen dass sogar noch mit der Berufung auf ihren Gott oder ihre Götter, ganz ohne an Schinken, Steaks oder Kotelett des anderen interessiert zu sein. Für uns Borstenträger eine ganz andere, völlig sinnlose Qualität des sich gegenseitig Verbrauchens. Nein, nein, geneigter Leser und geneigte Leserin, ich hebe nicht die moralische Pfote des „Gutschweins“, kann aber auch nicht verhehlen, dass ich einmal mehr froh bin Schwein zu sein und keinen Reisepass, Kaffeemaschine und Lockenwickler, Bahncard oder Kindersitz zum Leben benötige.

Ich würde so gerne feststellen, dass wir heute, zehn Jahre nach NineEleven, eine schöne, neue Welt haben und die vielen Opfer seitdem nicht sinnlos auf den Altaren politischer Notwendigkeiten, Bündnistreue und weltanschaulicher Vernarrtheit geopfert wurden. Es reicht ja schon, dass meine Spezies auch weiterhin ihrem Schicksal entgegengefüttert wird, um in Hälften zerteilt und an Ketten gehangen dem (leiblichen) Wohle des Menschen zu dienen.
Wir Schweine wussten schon immer, dass ein Leben in Gesundheit und in Frieden ein hohes, ja das höchste Gut ist, nach dem es sich lohnt zu streben. Vielleicht gerade deshalb, weil es 99% der Schweine nicht vergönnt ist und wohl auch niemals vergönnt sein wird.

Aber die Lehre ist, dass der Mensch daraus nicht zu lernen befähigt ist. Es wird neue NineEleven geben, so wie Oslo und wo auch noch immer. Die Zivilisation, der Wohlstand, die Fähigkeit des Menschen abstrakt zu Denken und zu Handeln hat ihn vom Raubtier im Pelzkleid zum Schreibtischtäter in Nadelstreifen werden lassen. Sonst ist er aber alles geblieben, was er immer wahr und sein wird. Mein tierischer Freund Lupus von Wolf zu Heulstein sagt immer : „Der Mensch ist und bleibt des Menschen schlimmster Feind“. Darüber denke ich oft nach, wenn ich mir einen guten, blutroten Chateau Neuf du Pig einschenke und an NineEleven denke...Euer Eberhard von Porcus

Donnerstag, 8. September 2011

UNFORGETTABLE that´s what you are...

...Unforgettable though near or far...Like a song of love that clings to me...how the thought of you does things to me...



...wir alle erinnern uns an das Lied von Frank Sinatra...es gibt Evergreens, die wir einfach nicht vergessen...die wir immer wieder gerne hören, die einfach unforgettable sind...und es gibt Bären, die uns mit ihrem Charme verzaubern. Ihr Blick ist für immer in unserer Erinnerung und in unserem Herzen. Wie oft habe ich Bären in Auktionshäusern gesehen, die mich berührt haben. Ich wusste, dass sie mein Budget wahrscheinlich um ein Vielfaches übersteigen werden. Anfang der 90èr Jahre entdeckte ich einen Bären im Schaufenster eines kleinen Antiquitätengeschäfts...so lang ist es her und dennoch kann ich mich ganz genau an jedes Detail dieses Blickes erinnern, der soviel Melancholie in sich hatte, dass ich einfach stehenbleiben musste...diese etwas leidende Körperhaltung, die Füllung eingesackt...ein stark abgeliebter Bär, der aus der Nachkriegszeit zu stammen schien. Seine Herkunft war ungewiß, aber der Ausdruck umso fesselnder...der Preis noch einigermaßen erschwinglich.



...er trug eine alte zerfetzte Schleife und einen rostigen Schlüssel um den Hals...einen Augenblick hatte ich das Gefühl, als würde er zu mir sprechen...als würde er sagen wollen: "Nimm mich mit und kümmere Dich um mich"...das Schicksal wollte es offensichtlich anders...es war ein Samstag Abend, das Geschäft hatte geschlossen...als ich dann am darauf folgenden Werktag kurz vor Ladenschluß wieder kam, war der Bär verkauft. Ich habe ihn nie vergessen...spontan erinnere ich mich an ein Zitat von Peter Ustinov: "Die größte Liebe ist immer die, die unerfüllt bleibt"...vielleicht habe ich genau aus diesem Grund diesen Bären noch so detailgenau im Gedächtnis...weil unsere Zusammenführung unerfüllt blieb.


...als ich kürzlich neue Mohairfelle für die kommende Herbstkollektion eingekauft habe, fiel mir dieser Bär wieder ein...dieser Kunstseidenplüsch aus dem der Unvergessliche damals gearbeitet war, war diesem Fell so ähnlich...es verstand sich von selbst, dass ich diesen Bären nun nachgearbeitet habe...und das gleich zweimal...denn meinen Bären gebe ich nun niemals wieder her...dieser kleine Unforgettable wartet dagegen im Onlineshop auf seinen Menschen, dem er in die Augen sehen und sagen kann: "Nimm mich mit und kümmere Dich um mich"...



...Unforgettable ist einer der seltenen Primitives, die in der Needful Friends Bärenwerkstatt entstehen...über die Primitives und ihre Geschichte kann hier nachgelesen werden...