Freitag, 14. Januar 2011

...von Schulen, Lehrkörpern und ihren Opfern...


...also, ich weiß ja nicht, wie viele Ferkel der geneigte Leser und selbige Leserin schon großgezogen hat und ob sie auch alle den elterlichen Stall nach erfolgreichen Reifeprüfungen für ein Studium in zum Beispiel Schweinfurt oder Rüsselsheim verlassen haben, aber man wächst ja bekanntlich mit den Aufgaben und als Eltern wächst man mit den Schulerfahrungen der Kleinen quasi mit.
Sind Ihre Eltern dazumal - als Sie Pennäler waren - auch ständig in die Schule gebeten worden? Haben Sie Bittbriefe zu Veranstaltungen bekommen oder hat man Ihnen auch in einem schonungslosen Psychogramm die erzieherischen Defizite der Kinderstube coram publico offeriert? Nein?, na, dann sind Sie offensichtlich nicht auf der pädagogischen Zielgerade moderner Schulphilosophie. Verblüfft lese ich zum Beispiel die Einladung zu einem Sportfest der Schule meines Jüngsten, indem die Knirpse zu „Sponsorrunden“ auf der 400m-Laufbahn aufgefordert werden, die dann durch Eltern und andere solvente Interessenverbände finanziert würden, um neue Musikinstrumente für das Schulorchester zu kaufen.
Was wäre denn, wenn man den Garten des Kanzleramts in Berlin umgraben dürfte, um vom Erlös der wohlfeilen Spatenstiche eine neue Flotte Dienstwagen für die Abgeordneten zu finanzieren? Guter Plan denken Sie? Merkantilismus als eine zu vermittelnde, Lebenstauglichkeit fördernde Grundkompetenz? Ich bin skeptisch.

...So bekomme ich kürzlich einen netten Brief der Schulleitung mit besten Wünschen für ein gutes Neues Jahr. Nur, dass diese Freundlichkeiten am Ende einer langen Liste von Wünschen stand, mit deren Verwirklichung durch die spendierfreudigen Eltern man eine Samstagsveranstaltung zur Darstellung der Schule für kommende Schülergenerationen plane. Natürlich muss das wochenendliche Engagement der Lehrkörper zeitlich vergolten werden, so dass der darauffolgende Montag für die Ferkel schulfrei sei. Ist ja auch ein echtes Geschenk für berufstätige Eltern, die davon freudig überrascht werden.
Dafür wird ja wenigstens an der Gesamtschulzeit gespart. G8 nennt man es, wenn man die zukünftigen Leistungsträger als intellektuelle Frühchen aus dem Brutkasten entlässt.
Klar, man muss mit der Zeit gehen. Nur noch Hausaufgaben, danach draußen Spielen bis Sonnenuntergang, schnell in die Wanne und danach Daktari oder die Hitparade mit DieterThomas Speck bevor man im Stall verschwand sind längst passé.
Aber wir sind doch auch anständige Schweine und – pardon! – Menschen geworden?
Eben Leistungsträger der Leistungsgesellschaft und nicht Aussteiger. Die gab es aber auch schon immer. Ich erinnere mich an diejenigen meines Abiturjahrgangs, die alle mit diesen bourgeoisen Leistungsdrücken nichts zu tun haben wollten, ja, die sind dann eben lieber Lehrer geworden...Euer
Eberhard von Porcus

Kommentare:

Schneiderbären hat gesagt…

Lieber Eberhard von Porkus, ich kann dich sehr gut verstehen. Auch ich hab in den letzten Wochen so meine Erfahrung mit dem Schulsystem gemacht, eher gesagt mit den dazugehörigen Personen (früher nannte man sowas Lehrer heute sind das ja Pädagogen.) Ich wurde in die Schule zitiert, damit mir ein solcher Pädagoge schonend versucht bei zu bringen das mein Sohn doch leicht etwas unterentwickelt ist, denn die Begründung er wäre ja der kleinste und der leichteste in der Klasse und das würde schon sehr auffallen. Außerdem (8klasse Gym.) er würde sich noch sehr freuen über alles und jeden und es auch zeigen.
Hallo hab ich was missverstanden.
Ich bin kopfschütteln wieder heim gefahren und habe sehr laut gelacht.
Jetzt hoffen wir doch mal das unserer kleiner Mann vielleicht doch noch wächst.
Also du siehst es gibt sie immer wieder diese Pädagogen.

Liebe Grüße
Claudia

Basti-Bären hat gesagt…

Schlau und hübsch zugleich, echt Schein gehabt ;o)
Liebe Grüße Iris

Angelika hat gesagt…

Ich war im vergangenen Jahr beim Eletrsprechtag, nachdem mein inzwischen volljähriges Ferkel es mir erlaubt hatte. Mir ging es vor allem darum, den neuen Mathelehrer kennenzulernen, von dem der hauseigene Teenager so begeistert ist. Der war auch wirklich klasse und sagte "Ich mag meine Schüler, und ich glaube, dass merken sie". Bitte mehr von der Sorte !!!
Anschliessend war die neue Deutschlehrerin dran. Du kennst die Schule ja ;-) Ich hatte 4 Termine a 15 Minuten innerhalb von einer Stunde verteilt auf 3 Stockwerke in unterschiedlichen Gebäuden. Natürlich kam ich zum nächsten Termin 2 Minuten zu spät und bekam den Anpfiff meines Lebens ! Den habe ich gekonnt zurückgegeben und sie aufgefordert mich mit Respekt zu behandeln. Auf meine Frage, wieso der Filius 2 Zensuren nach unten gerutscht war, meinet sie er habe nie eine bessere Zensur gehabt. Aber ich hatte ja die Zeugnisse dabei ;-) Sie guckte auf den Namen des früheren Lehrers und fragte mich, ob ich ernsthaft glauben würde, dass ein frisch von der Uni entsprungener Lehrer in der Lage sei, korrekt zu benoten !!
Die (neue) Biolehrerin hat die 15 Minuten genutzt um mir ihr Leid zu klagen, dass die Klasse viel zu groß sei, und das Leben im allgemeinen ganz schrecklich !
Ich habe mich beim Rektor beschwert, ohne Namen und Fächer zu nennen. Er wollte die Namen, um mit den Lehrern sprechen zu können. Die kann er kriegen, wenn das Lieblingskind im Sommer den Hut aufgesetzt bekommt, und keinen Tag früher ! Lehrern, die so mit Eltern umspringen, traue ich durchaus zu, dass sie es an den Schülern auslassen, wenn man sich über sie beschwert. Die Deutschlehrerin müsstest Du noch kennen. Sie war damals rothaarig und extrem zickig ;-)

Und das Ferkelchen ist mal wieder allerliebst und wäre bestimmt ein Musterschüler in der Ferleschule :-)

Conni hat gesagt…

Ich kann dem Ganzen nur zustimmen. Die Anforderungen steigen. Aber unsere Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie haben kaum Freiraum und Zeit, sind oft durchgeplant.
Die Einführung der Ganztagsschule finde ich dann auch nicht toll. Da werdenzwarHausaufgaben gemacht, aber wer sie nicht in der Zeit schafft muss 16.30Uhr weitermachen. Geübt für Diktate oder Vokabeln....
Ich bin damanchmal schon froh, dass meine Kinder schon groß sind.

h je, ganz schön langer Kommentar, aber auch ein umfangreiches Thema.
Schönen Abend noch
Conni

SchneiderHein hat gesagt…

Den Ansichten von Eberhard von Porcus stimmen wir voll und ganz zu - auch wenn wir in der Katzenerziehung kläglich versagen, und die Flausen in kleinen Bärenköpfen viel zu gern unterstützen oder gar anfeuern.
Und wieder einmal bestätigt sich, dass wir für uns persönlich die bessere Wahl getroffen haben, denn an solchen Pädagogen würden wir uns aufreiben.
Da holen wir doch jetzt lieber ein paar alte Pappkartons hervor und lassen die Bären spielen ...

Und sollte sich ein Fell für den Bruder von Eberhard von Porcus
anfinden, dann hätten wir gern ein Schwein mit genau solchen Ansichten!
Liebe Grüße
Silke & Wolfgang

Needful Friends hat gesagt…

ihr lieben,

vielen dank für eure kommentare und das teilen eurer erfahrungen. eberhard von porcus spricht hier in erster linie von der breiten masse der lehrkörper...ich muss dazu sagen, dass es auch demhimmelseidank ausnahmen gibt...sowohl heute als auch in meiner zeit...ich erinnere mich an geradezu ausnahmepädagogen, die mit viel humor und freude an der arbeit ihr wissen an uns weitergegeben haben. pädagogik heisst heute nicht nur den schülern lehrstoff sondern ganz besonders in unserer schwierigen zeit soziales miteinander zu vermitteln...und da muss manch lehrer heute zuerst einmal bei sich selbst anfangen...

liebe grüsse anja

SchneiderHein hat gesagt…

Hallo Anja,
gestern sind die Bären trotz frühlingshaftem Wetter leider viel zu spät rausgekommen. Aber einen kleinen Vorgeschmack gibt es schon ...
LG Silke